Ein mehrtägiger Stromausfall, ein Hochwasser, ein Sturm oder eine Störung der Trinkwasserversorgung: Krisen, in denen die gewohnte Versorgung für einige Tage ausfällt, sind auch in Deutschland nicht ausgeschlossen. Die staatlichen Stellen für Bevölkerungsschutz raten deshalb seit Jahren dazu, zu Hause einen Grundvorrat anzulegen. Viele Bürgerinnen und Bürger wissen jedoch nicht genau, welche Empfehlungen es gibt, wer dafür zuständig ist und was der Staat im Ernstfall leisten kann. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die offiziellen Empfehlungen zur privaten Notfallvorsorge.
Wer ist für den Bevölkerungsschutz zuständig?
In Deutschland ist der Katastrophenschutz grundsätzlich Aufgabe der Länder und Kommunen. Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Behörden vor Ort koordinieren die Hilfe bei Unglücken und Naturereignissen. Auf Bundesebene ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK, für den Zivilschutz zuständig und informiert die Bevölkerung über Vorsorgemaßnahmen. Auf der Website des BBK finden sich Ratgeber, Checklisten und Hinweise zu Warnmitteln.
Wichtig ist eine realistische Einschätzung: Bei großflächigen Lagen können Rettungskräfte nicht sofort jeden Haushalt erreichen. Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass sich Menschen für eine gewisse Zeit selbst versorgen können.
Was die Empfehlungen umfassen
Die Ratgeber des BBK empfehlen, einen Vorrat für mehrere Tage anzulegen. Als Orientierung wird ein Zeitraum von bis zu zehn Tagen genannt. Dazu gehören im Wesentlichen:
- Trinkwasser und Getränke: Als Richtwert gelten etwa zwei Liter pro Person und Tag, davon ein Teil zum Kochen.
- Lebensmittel: haltbare Produkte, die möglichst ohne Kühlung auskommen und auch kalt verzehrt werden können.
- Hausapotheke: persönliche Medikamente, Verbandsmaterial, Schmerzmittel und Fieberthermometer.
- Hygieneartikel: Seife, Zahnpflege, Toilettenpapier, Müllbeutel und gegebenenfalls Desinfektionsmittel.
- Energieausfall: Taschenlampe, Ersatzbatterien, Kerzen, Streichhölzer und ein batteriebetriebenes Radio.
- Dokumente: wichtige Unterlagen in einer wasserdichten Mappe griffbereit.
Informiert bleiben: Warnmittel in Deutschland
Im Krisenfall ist es entscheidend, rechtzeitig gewarnt zu werden. In Deutschland gibt es dafür mehrere Wege:
- Sirenen: In vielen Gemeinden wurden sie in den vergangenen Jahren wieder ausgebaut.
- Cell Broadcast: Warnmeldungen werden direkt auf Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet gesendet.
- Warn-Apps: Apps wie NINA informieren über Gefahrenlagen in der eigenen Region.
- Radio und Fernsehen: Rundfunkanstalten verbreiten amtliche Warnungen.
Bei einem Stromausfall fällt das Mobilfunknetz unter Umständen nach einiger Zeit aus. Ein Radio mit Batterie, Solarzelle oder Kurbel ist dann oft die einzige Informationsquelle.
Rechte und Pflichten der Bürger
Eine gesetzliche Pflicht zur privaten Bevorratung gibt es für Privathaushalte nicht. Die Empfehlungen sind Ratschläge, keine Vorschriften. Im Katastrophenfall können Behörden jedoch Anordnungen treffen, etwa zur Evakuierung bestimmter Gebiete. Diesen Anweisungen sollte man folgen. Wer sein Zuhause verlassen muss, sollte ein vorbereitetes Notgepäck mit Dokumenten, Medikamenten, Kleidung und etwas Verpflegung griffbereit haben.
Gleichzeitig gilt: Ein vernünftiger Vorrat hat nichts mit Hamsterkäufen zu tun. Wer seinen Vorrat schrittweise und in normalen Zeiten aufbaut, trägt nicht zu Engpässen bei.
Den Vorrat praktisch aufbauen
Am einfachsten gelingt der Aufbau mit einer Liste, die an die eigene Haushaltsgröße angepasst wird. Dabei lohnt es sich, Lebensmittel zu wählen, die ohnehin gegessen werden. So kann der Vorrat im Alltag nach und nach verbraucht und ersetzt werden, und nichts verdirbt. Eine persönliche Checkliste für den Notvorrat lässt sich zum Beispiel über notfallrationen.de zusammenstellen, wo Mengen für Lebensmittel und Getränke nach Personenzahl berechnet werden.
Besondere Bedürfnisse berücksichtigen
Haushalte mit Säuglingen, älteren oder pflegebedürftigen Menschen, Allergikern oder Haustieren sollten ihre Vorräte entsprechend ergänzen. Dazu gehören etwa Babynahrung, spezielle Medikamente, Hilfsmittel oder Tierfutter.
Nachbarschaftshilfe nicht vergessen
In vielen Krisen hat sich gezeigt, dass Nachbarn sich gegenseitig unterstützen. Es lohnt sich, im Vorfeld zu wissen, wer im Haus Hilfe brauchen könnte, etwa alleinlebende ältere Menschen. Wer seinen eigenen Vorrat geregelt hat, kann im Ernstfall auch anderen helfen.
Fazit
Private Notfallvorsorge ist keine Panikmache, sondern eine vernünftige Ergänzung zum staatlichen Katastrophenschutz. Die Empfehlungen der Behörden sind klar und mit überschaubarem Aufwand umzusetzen. Wer einen Vorrat für einige Tage anlegt, Warnmittel kennt und wichtige Dokumente griffbereit hat, ist für viele Situationen gut gerüstet und entlastet zugleich die Rettungskräfte, die sich dann auf die besonders Hilfsbedürftigen konzentrieren können.