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Stromsteuer-Senkung für alle: Stand und was Haushalte zahlen

Private Haushalte zahlen 20,50 Euro Stromsteuer je Megawattstunde, also 2,05 Cent je Kilowattstunde. Die Senkung auf das EU-Mindestmaß gilt bisher nur für produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft. Für Haushalte ist sie am 12. Oktober 2026 angekündigt, aber nicht beschlossen.

Redaktion German Update · 27. Oktober 2026 · aktualisiert am 21. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Stromzähler und Sicherungskästen hängen an einer weißen BacksteinwandFoto: Anh-Bao Tran-Le / Pexels
Kurz zusammengefasst

Private Haushalte zahlen 2026 weiter 20,50 Euro Stromsteuer je Megawattstunde, das sind 2,05 Cent je Kilowattstunde. Die Senkung auf das europäische Mindestmaß gilt bisher nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Bundeskanzler Merz hat am 12. Oktober 2026 angekündigt, die Stromsteuer auch für Haushalte zu senken. Einen Termin nennt keine der geprüften Quellen. Beschlossen ist die Senkung für Haushalte damit nicht.

Wie hoch ist die Stromsteuer heute?

Die Stromsteuer beträgt nach § 3 des Stromsteuergesetzes 20,50 Euro für eine Megawattstunde. Das entspricht 2,05 Cent je Kilowattstunde. Dieser Satz steht im Gesetzestext.

Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft gibt es eine Steuerentlastung. Sie beträgt nach § 9b Stromsteuergesetz 20 Euro je Megawattstunde. Damit bleiben für diese Betriebe 0,50 Euro je Megawattstunde, also 0,05 Cent je Kilowattstunde. Die Entlastung wird nur gewährt, wenn sie im Kalenderjahr über 250 Euro liegt. Die Regel ist an die beihilferechtliche Freistellungsanzeige bei der EU-Kommission geknüpft, wie der Gesetzestext festhält. Die Bundesregierung hatte beschlossen, die Absenkung ab 2026 dauerhaft zu gewähren. Das nennt sie in ihrer Übersicht der Entlastungen.

GruppeStromsteuer 2026
Private Haushalte20,50 €/MWh (2,05 ct/kWh)
Produzierendes Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft20,50 € minus 20 € Entlastung = 0,50 €/MWh (0,05 ct/kWh)
Europäisches Mindestmaß für nicht gewerblichen Verbrauch1 €/MWh (0,1 ct/kWh), laut Bericht von cleanthinking.de

Was hat die Bundesregierung angekündigt?

Der Koalitionsvertrag sieht vor, die Stromsteuer für alle auf das EU-Mindestmaß zu senken. Union und SPD hatten das als Sofortmaßnahme vereinbart, ursprünglich für 2025. Im Juli 2025 bestätigte der Koalitionsausschuss, dass die Senkung zunächst nur für Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft gilt. Weitere Entlastungen sollten folgen, „sobald hierfür finanzielle Spielräume bestehen“. Das berichtet ZDFheute. Eine Senkung für alle hätte laut Bundesfinanzministerium rund 5,4 Milliarden Euro im Jahr 2026 gekostet.

Am 12. Oktober 2026 bestätigte Bundeskanzler Friedrich Merz nach einer zweitägigen Klausur der CDU-Führung, dass die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestniveau sinken soll. Das berichtet die Stuttgarter Zeitung. Zeitplan und Kosten nennt die Meldung nicht. Auch Euronews nennt keinen Termin. Der Regierungsentwurf für den Haushalt 2027 sieht für Haushalte laut cleanthinking.de keine Senkung vor.

ZeitpunktStand
KoalitionsvertragSenkung für alle auf EU-Mindestmaß als Sofortmaßnahme vereinbart
Juli 2025Koalitionsausschuss: zunächst nur Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft
Januar 2026Mainzer Erklärung der CDU kündigt möglichst schnelle Entlastung an
12. Oktober 2026Merz bestätigt die Senkung für alle, ohne Termin
Wichtiger Hinweis

Eine Ankündigung des Bundeskanzlers ist kein Gesetz. Erst ein Beschluss von Bundestag und Bundesrat sowie die Verkündung im Bundesgesetzblatt ändern den Steuersatz. Bis dahin gilt der Satz von 20,50 Euro je Megawattstunde, auch im Jahr 2027, solange kein Gesetz etwas anderes regelt. Planen Sie Ihre Stromkosten nicht mit einer Senkung, die noch nicht beschlossen ist.

Was würde eine Senkung für Haushalte bringen?

Das Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Bei einer Senkung von 2,05 Cent auf 0,10 Cent je Kilowattstunde sparte ein Haushalt 1,95 Cent je Kilowattstunde. Bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt das 68,25 Euro netto. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer sind es 81,22 Euro brutto.

JahresverbrauchErsparnis nettoErsparnis brutto (19 % USt)
2.500 kWh48,75 €58,01 €
3.500 kWh68,25 €81,22 €
4.000 kWh78,00 €92,82 €

Das passt zur Angabe von cleanthinking.de, nach der ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch rund 80 Euro im Jahr spart. Das Medium berichtet außerdem, der Bund würde rund 5 Milliarden Euro im Jahr verlieren, davon etwa 2,5 Milliarden auf Privathaushalte entfallen. Die Zahlen sind Berechnungen und Schätzungen, keine amtlichen Beschlüsse.

Praxis-Einordnung

Die Stromsteuer macht nur einen kleinen Teil des Strompreises aus. Der größere Hebel liegt bei Netzentgelten und Beschaffung. Ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden zahlt 71,75 Euro Stromsteuer im Jahr. Selbst wenn sie auf das Mindestmaß fällt, bleiben davon wenige Euro im Monat. Ein Anbieterwechsel kann deshalb mehr sparen als die politische Debatte.

Warum ist die Senkung für Haushalte umstritten?

Der Streit dreht sich um die Finanzierung. Die Stiftung Klimaneutralität forderte im September 2026 in einem Gutachten die Senkung auf das EU-Minimum. Sie schätzt die Entlastung eines Haushalts mit Wärmepumpe und E-Auto auf rund 270 Euro im Jahr. Das berichtet cleanthinking.de. Merz hält die Kosten bei wachsender Wirtschaft für finanzierbar: Ein Prozentpunkt mehr Wachstum bringe etwa 10 Milliarden Euro Steuern, davon die Hälfte für den Bund. Finanzminister Klingbeil zeigte sich offen, bezweifelte aber die dauerhafte Finanzierbarkeit.

Die Argumente lassen sich in zwei Positionen fassen. Die Befürworter sehen eine schnelle Entlastung und einen Anreiz zur Elektrifizierung. Die Skeptiker verweisen auf die Haushaltslage und darauf, dass die Ersparnis pro Haushalt klein ist. Beides stimmt: Die Entlastung beträgt im Durchschnitt rund 80 Euro im Jahr, kostet den Bund aber mehrere Milliarden Euro.

Welche anderen Entlastungen gelten schon?

Die Bundesregierung nennt für 2026 zwei weitere Entlastungen. Ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro senkt die Netzentgelte. Die Gasspeicherumlage entfällt seit dem 1. Januar 2026. Zusammen entlasten beide Maßnahmen Bürger und Unternehmen um etwa 10 Milliarden Euro. Die Koalition hatte 2025 erklärt, Haushalte würden um bis zu 3 Cent je Kilowattstunde entlastet, eine vierköpfige Familie um bis zu 100 Euro im Jahr. Das nennt die Quelle als Angabe der Koalition. Die Bundesregierung bestätigt die Gasspeicherumlage und den Zuschuss zu den Netzentgelten.

Der CO2-Preis liegt 2026 im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Er wirkt auf Heizöl, Gas und Sprit. Aktuelle Werte zeigt die Seite CO2-Preis.

Einschätzung der Redaktion

Die Stromsteuer ist ein Beispiel dafür, wie weit Ankündigung und Gesetz auseinanderliegen können. Seit dem Koalitionsvertrag sind mehr als ein Jahr vergangen, die Senkung für alle steht noch aus. Die Rechnung ist klar: rund 80 Euro Ersparnis für einen Durchschnittshaushalt, bei Kosten von etwa 5 Milliarden Euro für den Bund. Ob die Finanzierung gelingt, entscheidet über den Termin, nicht die Ankündigung.

Was sollten Verbraucher jetzt tun?

  1. Jahresverbrauch in kWh auf der Stromabrechnung nachsehen und die Ersparnis überschlagen.
  2. Stromtarif und Anbieter prüfen, denn der Preisunterschied zwischen Tarifen ist meist größer.
  3. Nicht auf eine Senkung warten, solange kein Gesetz vorliegt.
  4. Bei Wärmepumpe oder E-Auto den höheren Verbrauch in die Rechnung einbeziehen.
  5. Meldungen zum Haushalt 2027 und zu einem Gesetzentwurf verfolgen.

Alle Änderungen zu Energie und Verbrauch bündelt die Seite Was ändert sich für Verbraucher. Die Gesamtübersicht des Jahres steht unter Was ändert sich 2027.

Woran erkennen Sie, dass die Senkung wirklich kommt?

Eine Ankündigung ändert Ihre Stromrechnung nicht. Erst wenn die Bundesregierung einen Gesetzentwurf beschließt, der Bundestag zustimmt und das Gesetz im Bundesgesetzblatt steht, gilt der neue Satz. Bis dahin zahlen Haushalte weiter 2,05 Cent je Kilowattstunde. Wie diese Stufen aufeinander folgen, erklärt der Ratgeber Inkrafttreten von Gesetzen. Achten Sie auf Meldungen mit Termin und Gesetzesname.

Das Wichtigste in Kürze
  • Stromsteuer für Haushalte: 20,50 €/MWh (2,05 ct/kWh) nach § 3 StromStG.
  • Das produzierende Gewerbe und die Land- und Forstwirtschaft erhalten 20 €/MWh Entlastung.
  • Die Senkung für alle ist angekündigt (12. Oktober 2026), aber nicht beschlossen; ein Termin fehlt.
  • Beispiel: 3.500 kWh Verbrauch bringen bei Senkung auf 0,10 ct/kWh rund 68 € netto, 81 € brutto.
  • Gasspeicherumlage entfällt seit 1. Januar 2026; Netzentgelte werden mit 6,5 Mrd. € bezuschusst.

Quellen

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Stromsteuer 2026 für Haushalte?

20,50 Euro je Megawattstunde, das sind 2,05 Cent je Kilowattstunde, nach § 3 des Stromsteuergesetzes.

Wird die Stromsteuer für Privathaushalte gesenkt?

Angekündigt ist es, beschlossen nicht. Bundeskanzler Merz bestätigte am 12. Oktober 2026 die Senkung auf das europäische Mindestniveau, nannte aber keinen Termin.

Wie viel würde ein Haushalt sparen?

Bei einer Senkung von 2,05 auf 0,10 Cent je kWh und 3.500 kWh Verbrauch rund 68 Euro netto, etwa 81 Euro brutto im Jahr.

Wer zahlt schon weniger Stromsteuer?

Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft erhalten nach § 9b Stromsteuergesetz eine Entlastung von 20 Euro je Megawattstunde.